Wer es nicht erlebt hat, kann es auch nicht glauben

Norbert Huber beim 10jähriges Jubiläum des Inferno Triathlons in der Schweiz

»Ich hatte tierische Schmerzen im Rücken und die Schnauze gestrichen voll, aber ich wollte dieses Finisher-Shirt«.

Am 18. August 2007 erfüllte ich mir einen jahrelangen Traum. Endlich waren alle Voraussetzungen gegeben, dieses Abenteuer in Angriff zu nehmen.
Sicherlich hatte ich mir Informationen über den Inferno Triathlon besorgt, aber was mich tatsächlich erwarten sollte, sprengte jede Vorstellungskraft. Im Vorfeld wurde ich mit zwei weiteren Athleten zu den Jägern des Seriensiegers Mark Pschebezin erklärt. Und auch ich selbst hatte mir die Top 5 als Ziel gesetzt, wohl wissend, dass ich jeden im Teilnehmerfeld schon einmal geschlagen hatte, auch Pschebezin. Meine Schwachstelle für den Inferno war allerdings das MTB, das ich gar nicht beherrsche…

Infernolauf1

Bei herrlichen äußeren Bedingungen ging es um 6.30 Uhr auf die Reise. Zunächst galt es 3,1 Kilometer im Thuner See zurückzulegen. Nach 52:10 Minuten hatte ich das rettende Ufer erreicht und ich wechselte unter den 333 Teilnehmern als 24. auf das Rennrad. Schwimmen gehört nicht zu meinen Stärken. Aber es sollte an diesem Tag nicht meine schlechteste Einzeldisziplin sein…
Auf dem Rennrad stellten sich dann bald ziemliche Rückschmerzen ein, vor allem beim bergauf Fahren. Rennrad bedeutet beim Inferno 97 km mit 2300 Höhenmetern. Beim Pass über die große Scheidegg gilt es ein rund 500 Meter langes 20 % steiles Stück zu bezwingen. Danach geht’s aber nicht locker weiter, sondern noch kilometerlang mit 15 %.
Irgendwie war das Thema für mich hier schon durch. Dachte ständig „Du wolltest das hier haben und es ist es wert, einmal gemacht zu haben. Aber einmal ist dann auch genug!“

zur Slideshow

Ich hatte tierische Schmerzen im Rücken und die Schnauze gestrichen
voll, aber ich wollte dieses Finisher-Shirt. Vor dem Anstieg zur großen
Scheidegg war ich bis auf den 7. Platz vor gefahren. Den Berg hoch und
vor allem auf der engen und schnellen Abfahrt hatte ich dann wieder bis
auf den 11. Platz verloren. Nun folgte die größte Unbekannte – das MTB.
30 Kilometer mit rund 1100 Höhenmetern sollten folgen. Zunächst ging es
einfach gut 10 Kilometer zur kleinen Scheidegg nach oben, um dann den
Rest wieder den unten zu stürzen. Hoch ging die Schinderei mit den
Schmerzen im Rücken weiter. Man hatte bei dem herrlichen Wetter fast
keinen Blick für die Schönheit der Region übrig. Doch den Anblick von
Eiger, Mönch und auf den Jungfraugletscher muss man einfach genießen.
Dann folgte die Abfahrt, meist auf guten Schotterpisten, aber da kommt
halt der kleine „Schisser“ bei mir durch. Die Leute flogen nur so an
mir vorbei. Es kam auch noch ein Single-Trail mit Wurzeln und Steinen
und steil wie die Sau… Da bin ich dann auf meinen Schuhen
hinuntergerutscht und hab das MTB hinterhergezogen ? Kurz und knapp,
mit der 46. Zeit auf dem MTB war ich bis auf Platz 21 zurückgefallen.

Jetzt folgte noch der 25 km lange Berglauf mit 2200 Höhenmetern hinauf
auf das 2970 hohe Schilthorn. Die erste 4 km sind flach, sogar eher
abfallend, dann geht’s bis Km 17 von rund 800 Höhenmetern hinauf ins
1650 hoch gelegene Mürren – ein schöner Berglauf, alles gut zu laufen.
Dort war ich dann auch schon wieder Zwölfter. Doch was dann auf den
letzten 8 km bis ins Ziel auf einen wartet, halte ich für ein
zweifelhaftes Vergnügen. Es liegen noch 1400 Höhenmeter vor den
Triathleten. Laufen ist nur selten mehr möglich, teilweise geht es auf
allen Vieren über Felsbrocken. Und die Luft wird auch immer dünner. 2
Kilometer vor dem Ziel ist der Sprecher schon zu hören, nur das
Gipfelrestaurant ist im inzwischen aufgezogenen Nebel nicht zu sehen.
Man sieht auf den Höhenmesser auf der Uhr und stellt fest „Es fehlen
noch 500 Höhenmeter auf 2 km… – das kann nicht sein“. Es konnte sein,
Schritt für Schritt kämpft man sich den Berg hinauf. Ich war zum Ende
so fertig, dass ich an jeder Verpflegungsstelle erst einmal mit den
Händen auf dem Tisch abgestützt stehen bleiben musste. Bei 10:05:36
Stunden blieb die Uhr für mich stehen. Ich blieb auf dem 12. Platz.
Immer noch war ich mir sicher „Nie wieder!“

Doch wie das so ist… Am nächsten Tag sagte ich mir „Ich komme wieder,
und ich werde wissen was auf mich zukommt und ich werde vorbereitet
sein…“. Ich weiß jetzt, dass man um hier Vorne dabei sein zu können
1. ein guter MTB`ler sein muss und 2. Streckenkenntnis haben muss.
Deshalb scheint mit 9 Teilnahmen ein Mark Pschebezin hier auch
unschlagbar zu sein. Gewinnen muß ja nicht sein, ein guter MTB`ler
werde ich nie und will ich auch nie werden, aber die Top 5 ist noch
offen…

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

CAPTCHA image