15-04-08

Blank liegende Nerven machen verletzlich

Vor einigen Wochen schrieb Christoph Reich, Sportmediziner und Rheumatologe in Zürich, einen kleinen Beitrag für die NZZ. Es handelt sich dabei um einen Artikel, der dem zentralen Nervensystem und damit dem Gehirn eine ganz zentrale Stellung für herausragende sportliche Leistungen ebenso wie Verletzungen beimisst, eine Seltenheit im Bereich der Sportmedizin, deshalb möchte ich den Text hier möglichst ungekürzt widergeben. Ich habe selbst einen Artikel mit dem Titel »Auch der Kopf braucht Ruhe« geschrieben und freue mich natürlich über Unterstützung.

»Sportunfälle sind auf den ersten Blick häufig unerklärlich. Zu vielschichtig ist das Zusammenspiel zwischen Muskeln, Bändern und Knochen, zu komplex ist aber vor allem die Steuerung durch das Gehirn. Für den einzelnen Sportler gibt es trotzdem klare Ansatzpunkte, um Unfälle zu vermeiden. Bei allen kontrollierten Interventionsprogrammen hat sich gezeigt, dass der Verbesserung der koordinativen Fähigkeiten oberste Priorität zukommt. Die Gelenkstrukturen sind zwar vorgegeben, der eine hat straffere, der andere lockerere und damit verletzlichere Bänder, daran kann keiner etwas ändern. Wie gut die Muskulatur jedoch die Gelenkbewegung kontrolliert, das kann trainiert werden.

Zentral ist die Rolle eines konsequenten Einlaufens. Meist denkt man da ans »Aufwärmen« von Gelenken und Muskeln. Noch viel wichtiger ist aber der Aspekt »Aufweckens« des ganzen Steuerungssystems: Beim Einlaufen werden die Nervenverbindungen zwischen Hirn und Muskulatur, aber auch zwischen Hirn und Gelenkstrukturen aktiviert und »auf Sendung« geschaltet. Das reduziert die Reaktionszeiten, und die Muskelfasern, die eben noch auf der Ersatzbank gedöst haben, sind nun wach und einsatzbereit. Continue Reading →